“Wie war es in Wien?”

03.03.2026

Sandra Wilsdorf und Birgit Pohler haben das Projekt “Gesundheit für alle – jetzt!” bei der Zero Project Conference 2026 in Wien vorgestellt

Als eines von 586 Projekten aus 93 Ländern hatten sich Sandra Wilsdorf und Birgit Pohler mit der Initiative „Gesundheit für alle – jetzt!“ um den „Zero Project Awards 2026“ beworben und es auf die Shortlist geschafft. Über die Einladung, diese Projekte einem so internationalen Publikum vorzustellen, haben sie sich natürlich gefreut. Und so waren Birgit Pohler und Sandra Wilsdorf vergangene Woche für drei Tage bei der Zero Project Conference 2026.

Und – wie war’s?“ wollten viele Kolleginnen und Kollegen aus der Evangelischen Stiftung Alsterdorf anschließend wissen. 

Es war berührend. Es war inspirierend. Es war herausfordernd.

Geht es etwas genauer? 

Klar.

Mehr als 1400 Menschen aus rund 100 Ländern waren zusammengekommen, um sich drei Tage lang über das Thema Inklusion auszutauschen. In 142 Veranstaltungen ging es um Projekte in aller Welt, die alle dazu dienen, die unterschiedlichsten Barrieren abzubauen. Die Oberthemen 2026: Barrierefreiheit, Informations- und Kommunikationstechnologie und Reaktionen auf akute Krisen („Crisis Response“). Das reichte von Rollstuhlinnovationen bis hin zu einem besseren Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, von Avataren, die den Zugang zur Kommunikation erleichtern, bis hin zu innovativen Politikansätzen; von Lösungen für Katastrophenschutz, bei denen Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt stehen, bis hin zu inklusiven Parks und vieles, vieles mehr. Wer die Veranstaltungen ansehen möchte, sie wurden alle gestreamt: Zero Project – YouTube.

Berührende Momente gab es wirklich viele. Hier nur mal zwei Beispiele:

Da waren die drei jungen Frauen aus Nigeria, Kenia und den Niederlanden, die bei der Veranstaltung „Young persons with disablities as changemakers“ von ihren Erfahrungen berichteten. Sie alle arbeiten in Projekten, die junge Menschen mit Behinderungen zu Trainern und Coaches für Inklusion ausbilden und die Kraft der Erfahrung für Inklusion einsetzen. Sie sind „DIFs – Disablity Inclusion Faciliators“, Inklusionsbegleiter, die Einfluss auf Organisationen, Kommunen und Unternehmen nehmen, und sie davon überzeugen, dass mehr Inklusion nicht so schwierig ist – und sich lohnt. Das Projekt, das 2018 in Uganda von sechs jungen Menschen mit Behinderungen ausging, hat inzwischen 250 DIF trainiert, die heute in 12 Ländern arbeiten. Die junge Kenianerin berichtete in Wien davon, wie es ihr Leben verändert hat, eine Text-to-Speech (TTS) App zu benutzen, um mit anderen kommunizieren zu können und als DIF davon zu berichten. „Als ich das erste Mal bei einer Veranstaltung auf einem Podium saß, habe ich das anschließend bei LinkedIn gepostet. Zwei junge Menschen haben mir geschrieben, dass sie sich durch mich ermutigt fühlen, auch eine Text-to-Speech App auszuprobieren. Vergangenes Jahr habe ich einen von ihnen bei einer Veranstaltung wieder getroffen. Auf dem Podium. Das macht mich stolz“.

Ihre Kollegin aus Nigeria erzählte davon, wie sie sich als Kind immer versteckt habe, „weil die Menschen wegen meiner Behinderung sich in meiner Nähe unwohl fühlten, also bin ich weg geblieben“. Aber sie habe immer gewusst, dass sie etwas beizutragen habe, etwas tun wollte. „Meine Reise als DIF hat dazu geführt, dass ich mich nicht mehr verstecke, damit irgendjemand sich nicht unwohl fühlt. Ich spreche in großen Räumen, ich glaube nicht mehr, dass ich alleine bleiben muss, damit die anderen sich wohl fühlen. Ich kann ich selbst sein“. Sie habe erkannt, wie viele Möglichkeiten es auch für Menschen wie sie gebe, „und dass da draußen noch viele andere sind, die gedacht haben, sie müssten ihr Leben in einer Box verbringen. Aber durch mich sehen sie, was möglich ist“.

Inspirierend waren die drei Tage von Anfang bis Ende. Es gab so viele Begegnungen mit Menschen, die in völlig anderen Gegenden der Welt leben, aber das Gleiche wollen. Manchmal sind sogar die Ansätze ähnlich. 

Da war beispielsweise der Austausch mit der Zahnärztin und der Psychologin aus Israel, die für ihr kürzlich eröffnetes zahnmedizinisches Zentrum für Menschen mit Behinderungen in Israel einen der Zero Project Awards gewonnen haben. Sie wollten alles über die Projekte von „Gesundheit für alle – jetzt!“ wissen und berichteten ihrerseits von ihrer Arbeit und davon, wie sie Patient*innen mit Hilfe von Filmen und Symboltafeln aufklären und ihnen so die Angst vor der Behandlung zu nehmen versuchen. Genauso, wie es hier auch gemacht wird. Oder, wie eine der Frauen sagte: „Inklusion ist nicht so kompliziert, Du musst nur ein Herz haben“.

Durchaus herausfordernd fand Sandra Wilsdorf, „Gesundheit für alle – jetzt“ in dem 20minütigen „Kamingespräch“ – übrigens ganz ohne Kamin – auf Englisch darzustellen. Wer das noch mal anschauen möchte – hier geht’s zum Stream: #ZeroCon26 The “Health for All – Now!” Initiative for an inclusive healthcare system).

Gibt es eine Art Zusammenfassung? 

Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich weit die einzelnen Länder in Sachen Inklusion sind – Sandra Wilsdorf und Birgit Pohler wurden in vielen Gesprächen nach ihren Erfahrungen und Projekten befragt – und manchmal auch beneidet. Sie konnten Anregungen geben, haben Impulse bekommen und viele Kontakte geknüpft, die sie vertiefen wollen. Aus unterschiedlichen Ländern haben Expertinnen und Experten Interesse angemeldet, sich einmal vor Ort anzuschauen, was hier in Alsterdorf getan wird.

Zum Hintergrund: Das Zero Project ist eine 2008 von der österreichischen gemeinnützigen Essl Stiftung gegründete globale Initiative, um die Umsetzung der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) voranzutreiben. Das Zero Project arbeitet an einer Welt ohne Barrieren und sucht dafür nach den weltweit besten Lösungen, macht diese bekannt und vernetzt die Akteur*innen miteinander.

© Evangelische Stiftung Alsterdorf

Im Notfall rufen Sie

112

So erreichen Sie uns

0 40.50 77 03

Visuelle Hilfe
leichte Sprache
 

    E-Mail Kontakt




     
  • Anfahrt

    Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf gGmbH
    Elisabeth-Flügge-Str. 1
    22337 Hamburg

    Karte vergrößern

  • Schließen