Daniela Steffen-Oschkinat
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Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung verbessert:
Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion gewinnt ersten DGN-Pflegepreis

05. November 2026
Das Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion (SIMI) hat gestern den 1. Pflegepreis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) gewonnen. Die Preisverleihung fand im Rahmen des DGN-Kongresses in Berlin statt. Ausgezeichnet wurde das Projekt „SIMI – Stufenplan Pflege: Neurologische Untersuchungen ohne Narkose oder Sedierung“. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.
Das Projekt: Untersuchungen ohne Narkose möglich machen
Viele Menschen mit geistiger Behinderung verstehen neurologische Untersuchungen nicht. Dazu zählen zum Beispiel EEG, Ultraschall oder Lumbalpunktion. Das löst oft Angst und Abwehr aus. Deshalb wurden notwendige Untersuchungen bisher häufig unter Narkose durchgeführt oder blieben über Jahre aus. Die Folge: Krankheiten können nicht adäquat behandelt werden, z.B. sind Medikamentenanpassungen schwierig.
Das interprofessionelle, pflegerisch geleitete Team des SIMI hat dafür einen Stufenplan entwickelt. Eine vertraute Pflegekraft begleitet die Patient*innen dabei durchgehend. Sie baut Vertrauen auf, erklärt Abläufe in einfacher Sprache und nimmt Ängste. Bei Bedarf bezieht sie Neurologie, Psychiatrie oder Innere Medizin mit ein. So werden die Betroffenen Schritt für Schritt an die Untersuchungen herangeführt, und zwar ohne Zwang und möglichst ohne Sedierung. Denn jede Sedierung oder Narkose bedeutet ein Risiko für die oft schwererkrankten Patient*innen.
Der Erfolg zeigt sich in der Praxis: Bei vielen Patient*innen gelangen erstmals seit Jahren wieder Blutentnahmen, neurologische Untersuchungen oder Ultraschalluntersuchungen. Die Betroffenen sind stolz auf ihre Fortschritte und gehen entspannter zu weiteren Terminen. Der Ansatz lässt sich nach Einschätzung des Teams auch auf andere Patientengruppen übertragen, etwa Menschen mit Demenz.
„Vertrauen statt Narkose klingt so einfach, erfordert aber Zeit und Raum, die wir unseren Pflegekräften bieten müssen. Das geht noch nicht überall, aber zum Glück bei uns im SIMI“, so Janina Schwabl, Leitende Oberärztin im SIMI.

